Konjunktivitis

Herbstlaub am Gaisberg, Salzburg, Foto: Alexa Schober

Dieses ständige Festklammern am Konjunktiv.
Hätte, könnte, sollte, wollte.
Morgen vielleicht,
gestern warum.
Aber..
Eigentlich übermorgen.
Die Tür stets einen Spalt offen für die Flucht zurück in die Comfort Zone.

Wenn Veränderung wieder einmal in Wellen geschieht, das Leben schneller passiert als Bedenken geäußert oder der Atem angehalten werden kann. Was machst du dann? Beißt es sich fest oder wagst du es, dich gehen zu lassen?
Weil man Dinge auch mal machen muss, ohne zu wissen wofür und warum. Beim Spiel in der Kindheit konnten wir das noch ganz gut, im Laufe der Jahre wurde es uns heimlich abtrainiert.
Und heute fragen wir uns nur noch in den seltensten Momenten, wo all die Magie hinverschwunden ist. Verkriechen uns in der Homebase und holen sie uns on demand mit Druck auf den Netflix-Button kurzzeitig zurück. Die Euphorie über strahlende Marvel-Superhelden-Magie und große Momente der Gefühle.
Jaja, nach einem 10h-Arbeitstag werden optionale Wirklichkeiten immer öfter über die Ferne konsumiert, da kann nicht viel schief gehen, Bildschirmpixel sind angenehm kontrollierbar, auch wenn sie zuweilen flackern. „Bitte achten Sie auf eine mögliche Entzündung Ihrer Bindehaut als Folgeerscheinung.“
Ach, Nebenwirkungen gibt es doch immer.
Also. Nähe geschieht in der Ferne.
Wirklich?
Warum aber klappt das Ding mit der Gänsehaut aller emotionslosen Blockaden zum Trotz dann dennoch?
Weil sich manche Dinge an uns doch nicht ganz abtrainieren lassen.
Nie abtrainieren lassen werden.

Vielleicht entscheidet sich das Herz zum kalten Entzug. Von all dem und noch so vielem mehr. Bis der Kopf unglaublich laut wird. Braucht er nicht unbedingt, will er noch weniger und der Bauch rebelliert mit geballter Faust nach oben.
Die Konsequenz?
Herz zu. Netflix und Handy an.
Easy Homeb(l)ase.

But, Honestly?

Sag, wie lange lässt es sich in einer Blase leben? Platzen sie nicht alle irgendwann? Die Dotcom- oder die Immobilienblase und manchmal auch die Seifenblase durch die rosarote Brille.
Muss doch nicht sein.
Könnte einmal nicht so sein.
Muss nicht immer so gewesen sein haben..

Wenn man Gefahr läuft an der rostigen Mistgabel des Konjunktivs stecken zu bleiben, ist es Zeit für Futur II. Die Feststellung, dass eine Handlung zu einem bestimmten Zeitpunkt abgeschlossen sein wird.
Ohne Wenn und Aber, hätte, könnte, sollte.
Sondern Punktum.

Denn..
Mit diesem einen Gefühl im Bauch,
jenem Bild dort im Kopf
und einer bestimmten Stimme im Ohr
wird es einmal angefangen haben.
[On your very own demand.
And no one else’s.]

Times Like These.

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Lilablassblau

Foto: Alexa Schober, Salzburg, herzenswert@gmail.com

Verhedderungen an sich sind unumgänglich. Ich kenne niemanden, der es schafft, sein Leben so zu führen, dass alles unwiederbringlich Sinn ergibt, dass keine Zweifel bestehen und sich zwischenzeitlich lilablassblaue Blässuren zeigen.
Ich kenne aber Menschen, die versuchen augenblicklich alles in eine perfekte Ordnung zu quetschen, die bügeln, legen, ordnen und archivieren, die nichts wegwerfen und recherchieren, bevor sie etwas Neues in ihr Leben lassen, die wissen auch immer genau, wo was liegt und was in welcher Schublade vorhanden ist, manchmal vermute ich, diese Menschen kennen die genaue Anzahl der Haare auf ihrem Kopf am Morgen und legen jene, die sie über Nacht verloren haben, in Reih und Glied auf den Nachttisch, um sie später der korrekten Mülltrennung zu übergeben.

Die Verhedderung erzieht mich zum Teil. Heute weit mehr als noch vor Jahren, weil sie bewusster geschieht. Sie zwingt mich, auszuatmen, langsam zu machen, mich darauf zu besinnen, was ich eigentlich will und ob das hier noch immer der richtige Weg ist. Manchmal ist sie nicht besonders sanft, die Verhedderung, was wohl auch auch mit meiner leicht entflammbaren Euphorie oder den zu großen Schritten zu tun haben kann. Dann hilft es, wenn ich mir Eis auf die Knie lege und einfach irgendwo beginne. Die Kunst besteht ja in dem Willen, sich ihr entziehen zu wollen, so geschieht zumindest meine Veränderung.

Es scheint da einen Rhythmus zu geben, zu dem sich mein Leben verändern möchte, ich erkenne da eine Periodizität, deren Verständnis sich dann auch sofort einem möglichen, dokumentierbaren Schema entziehen möchte. Und ich muss lachen, weil sich damit mein hartnäckiger Widerstand gegen Kategorisierungen und Schablonen bemerkbar macht. Vorhersehbarkeit und eindeutige Zuordnungen standen mir noch nie ins Gesicht geschrieben, ich war noch nie und werde nie sein wie X, Y, oder Z, woraus sich schlussfolgern ließe, es käme zu Ereignis A, B oder C.

Dennoch nehme ich diesen regelmäßigen Drang zur Veränderung in mir wahr. Als würde mein Lieblingspullover mit jedem Waschgang einlaufen irgendwann zieht es an allen Seiten. Meistens kommt es ganz langsam, der Druck nimmt nach und nach zu und fällt dann irgendwann in einem Faden aus meiner Hosentasche, weil der Platz nicht mehr ausreicht.
Ich merke das, wenn ich nachts aufwache und ich vor lauter zeitgleicher Gedanken im Kopf den Stift und das Notizbuch nicht sofort finde, um all das festzuhalten, was in mir nach außen drängt.
Etwas wird sich ändern, der Blick auf das Ganze, die Sprache an sich, der Grund für das Warum. Vielleicht hat es sich auch schon verändert und dieser Kopf da oben braucht noch etwas länger, um all das zu verdauen.

Jedenfalls denke ich mir, okay, count me in, dagegenhalten bringt erfahrungsbedingt nicht viel, also werde ich einsteigen und einfach mal die Fahrt genießen.
So lange sie dauern mag.

Stimulus

Junge in Palenque, Mexico, Foto: Alexa Schober, Salzburg

Was ist es, das wir Menschen zu perfektionieren versuchen, solange wir in Strukturen leben und arbeiten, Strukturen, die uns in Bewegung halten, bei Laune, in einem ständigen Zustand der Aufmerksamkeit. Nur nicht das Denken einstellen, es könnte sonst etwas verloren gehen oder nicht wie gewünscht eintreten. Gestern, vor einem Jahr, einem Jahrzehnt, morgen, in einer Woche, nächstes Jahr – immer auf der Suche nach Formen des Vergnügens, deren Wirkung in einer äußerlichen Ursache liegen und somit per se Konflikte erzeugen.

Wir starren auf die Vergangenheit und bemerken nicht mehr, wenn unsere Pupillen zittern. In den seltensten Fällen bekommen wir es hin, diesen Fokus aufzugeben und nichts weiter als die Gegebenheiten des jetzigen Moments wahrzunehmen, ständig scannen wir auf Unebenheiten der Vergangenheit, Makel oder etwas Besonderes das heraussticht und dann bitte in der Zukunft so eintreten möge.

Sind es Schablonen einer innerlich ausgehungerten Gesellschaft die uns sagen, man könne die Leere und die Unzufriedenheit in sich ganz einfach mit noch mehr Besitz, mit einem noch höheren Grad an Perfektion und Anders- oder Bessersein auffüllen?

Ich suche oft, selbst es nur Erinnerungen sind, irgend etwas, das ich mir merken kann. Das will ich dann festhalten, aufschreiben und gleichzeitig ist es ein Raus-Schreiben und Ablegen. Gedanken fürs Archiv. Manchmal ist es schwierig, los- und sich fallen zu lassen, es ist verdammt noch mal schwierig, den Knoten zu lösen und nicht sofort aufzuschreiben wie es ging, damit ich es bei Bedarf nochmal tun kann, um sicher zu sein oder um nicht sofort einen neuen zu machen.

Es ist so unglaublich schwer, die Hände still zu halten und nur zu atmen, schauen, schlucken und zu spüren, was mich streift. Wie Luft, Nieselregen, Nebel, feiner Staub, ein Geruch oder ein Wort. Ich bin so oft damit beschäftigt Gefühle im Inneren und Gegebenheiten im Äußeren zu verarbeiten, mir einen Reim auf etwas zu machen, zu hinterfragen, zu bewerten, einzuordnen, zu sortieren, dein Wunsch, meine Sehnsucht, Freude aus der einen Richtung, hier noch etwas Ärger und Frust aus der anderen, meines, deines, unseres, dahin, dorthin, achso, achja.

Im Endeffekt geht es im Leben doch nur darum, sich selbst zu zeigen, sich preis zu geben, verletzlich zu sein auch auf die Gefahr hinauf, dass das missbraucht wird. Sich fallen zu lassen in dem Vertrauen, aufgefangen zu werden. Geborgenheit geben, sie selbst SEIN und sie dann auch finden. Eine Wirkung, deren Ursache aus sich selbst heraus entsteht. Um dann staunend festzustellen, wie auf Knopfdruck eines Regisseurs plötzlich wunderbare Menschen auf dieser Theaterbühne des eigenen Lebens auftauchen.
Denn nur um sie geht es, davon bin ich mittlerweile fest überzeugt. Um die Menschen, denen man begegnet. Um die Erfahrungen, die man mit ihnen macht.
Jede einzelne davon nährt die Seele auf eine gewisse Weise und ist wertvoll für den weiteren Weg. Vor allem mit dem Hintergrund, dass ich zwischen Reiz und Reaktion noch immer die Freiheit besitze, zu wählen.
Meine Reaktion, sie wird immer mir gehören.

Konservierungsfrei

 

Foto: Alexa Schober

Wenn da jemand ist, in dessen Schuhen du rumlaufen kannst, obwohl du nie musst, es manchmal tust, nur weil es klappt, auch wenn sie vielleicht einen Tick zu breit sind.
Wenn da jemand ist, dessen Passform der deinen ähnelt, nicht gleicht, aus bestimmten Perspektiven sogar völlig unverhältnismäßig wirkt und sie dennoch im Grundtakt mithalten kann.
Wenn da jemand ist, dessen Hemd du dir überwirfst, wie eine Decke, weil sich deine Haut gut mit dem Stoff versteht.
Wenn da jemand ist, dessen Stimme durch Mauern bricht und am Ende der Straße auf dich wartet, und jedes Wort, das mit ihr gesagt wird bereit ist, von dir eingesammelt und mitgenommen zu werden.

Wenn da wirklich jemand ist, dessen Hand du schon aus der Ferne erkennst und dann, wenn du sie spürst, du jede Linie darauf nachziehen kannst, sie blind erkennst, und du dabei auch noch lächeln musst,
wenn das so ist,
dann..
Lass den Stift weg um vielleicht eine Karte davon zu zeichnen, die sind so statisch, so endgültig und irgendwann gibt es dazu vielleicht kein Update mehr, hänge das Hemd oft raus an die Sonne, locker die Fasern und lüfte die Schuhe, ändere auch mal den Grundtakt, die Passform, weil das so ist im Leben, das passiert ganz einfach, nur sieh dich immer wieder um, halte inne und frag nach,
wenn da jemand ist, der dir am Herzen liegt.

Wenn es da wirklich jemanden gibt, mit einem Sekundengefühl, das die Bedeutung von Zeit ad absurdum führt,
dann..
Heb die Worte an, heb sie achtsam auf und leg dich hinein, in diese Stimme.
Lass sie klingen, in dir wirken, ganz ohne Konservierungsstoffe, dein Herz versteht die Schwingung.
Und dann..
Lass sie jederzeit leiser werden, lass sie los und leise gehen, diese Stimme,
um auch all die anderen Worte zu hören, die sie dir vielleicht sagen möchte und von denen du jetzt noch nichts weißt.

Wen da so jemand ist,
nimm ihn wahr
und hör ihm zu,
halte inne
und sieh dich um.

Hör einfach hin,
hör doppelt hin.

Sekundengefühl

Schwertkämpfer am Fuschlsee, Salzburg. Foto: Alexa Schober

„Dieses permanente Ausloten von Konstellationen! Welches Patchwork funktioniert? Wie rücken Menschen nebeneinander um zu verweilen oder um sich zumindest nicht sofort wieder aus den Augen zu lassen? Wer traut sich überhaupt noch, genau hinzusehen? In die Augen? Wie viele Eltern kann man eigentlich haben? Wie viele will man überhaupt? Und klappt es auch ohne sie? Wer sonst gehört noch dazu? Gibt es den einen markanten Punkt, ab dem neu anfangen keine Option mehr ist? Wie adoptieren wir Freunde? Geht das überhaupt? Und wohin zum Geier mit der X-ten Wiederholung einer alten Staffel?“

„Du denkst dich um Kopf und Kragen. Davon würden mir auch die Schultern schmerzen.“

„Die Schultern.. Wenn es so leicht wäre! Die kann ich wenigstens im Kopfstand wieder lösen.. Ich will diesen Jemand, mit dem sechs Sekunden genügen. Um sicher zu sein, sicher zu fühlen, ich will endlich mein verdammtes Vertrauen zurück!“

„Auch das steckt nur in dir drin, das kann dir niemand anderer geben.. Es ist immer nur eine Entscheidung, die du triffst.“

„Ach, lass mich ausjammern. Ich will eine Nähe, die ich so bisher nicht hatte. Keine Ewigkeit, denn wenn es sein kann, dass sie nur sechs Sekunden dauert, dann will ich eben nur diese sechs Sekunden.“

„Warum genau sechs?“

„Weil mir diese Zahl einfach besser gefällt als diese allgegenwärtigen Nullen und Einsen! Wasweißich? Aber weißt du, wenn dieser Jemand kommt, sich vor mich hinstellt und sagt, du bist diese Sekunden, diese sechs Sekunden Ewigkeit, und ich es auch wirklich spüre und glaube, dann ist das Drumherum, das Wieso und das Wo sowas von egal, weil man dann ineinander wohnt, man bleibt einfach und richtet sich ein, dazwischen stolpert man vielleicht über rumliegende Dinge, vergreift sich manchmal in abgetragenen Taschen in denen kleine, sabbernde Monster sitzen, aber am Anfang, da ist es wichtig, dass man sich dafür entschieden hat mit diesem Sekundengefühl. Und dann geht man nicht mehr weg, dann geht man nicht mehr aus dem anderen raus. Das ist dann die Wohnung.”

„Auch das gibt es so nicht, das weißt du. Es ist immer alles in Bewegung.“

„Ja, danke. Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung. Ich weiß. Ganz wunderbar. Om Shanti. Und der Friede folgt auf das freudige Eierkuchenbacken. Dennoch möchte ich verdammt nochmal hin und wieder so denken dürfen.“

„Warum so bissig.. Du weißt, was du willst. Viel mehr als das, was du nicht willst. Und damit bist du am allerbesten Weg.“

Retina

Foto: Alexa Schober, Salzburg

Früher hatten wir Euphorie, jetzt fehlt uns manchmal der Mut.
„All die Menschen für immer“ stand mit Kugelschreiber auf den Handinnenflächen geschrieben und „die mit den heimlichen Herzen“ kritzelten wir kichernd in Geheimschrift darunter.
Heute erinnert und das Dauerblinken des Handys: Niemals vergessen zu sprechen, immer wieder schreiben und liken und posten und sharen, nur nicht aufhören damit, sich immer weiter darstellen, präsentieren, aufpolieren. Schön die Masken hegen und pflegen, Nähe mutiert zum trotzig zur Seite geschobenen Gefühl.

Und wenn wir diese blinkenden Geräte endlich zur Seite legen und verschnaufen müssen, die Finger etwas steif vom Rumdrücken und Wischen, das Herz ganz aufgeregt vom wiedergefundenen Atmen dazwischen, dann hat er mal wieder recht gehabt, der Bauch, dann wissen wir auch wieder, was es angestoßen hat.
Das sind diese Momente, in denen Veränderung so nah an an uns passiert, dass sich sogar die feinen Härchen auf der Handoberfläche aufstellen, Momente, in denen wir die Luft anhalten und trotzdem Schluckauf bekommen, weil so Leben geht, genau so und nicht anders. Ständig im Balanceakt unzähliger Dus, an denen wir immer wieder aufs Neue zum Ich werden und am Ende sind wir doch nur eine einzige Projektionsfläche entfernt davon, lachend mitgerissen zu werden. Eine Hand am Steuer, die andere im Wind – mitnichten auf fingerverschmierten Bildschirmen.

Diese Momente, in denen wir das Erwachsensein fühlen können, ohne Angst und Anti-Falten-Creme und ohne Seufzen oder Wehmut, sondern mit weit aufgerissenen Augen und glänzenden Handflächen. Unser Hunger ist noch lange nicht gestillt, es fängt immer gerade erst an, auch wenn es vorbeigeht. Neue Kapitel beginnen auch ohne vorangegangene Schlussworte oder schmucke Initiale zu Beginn. Vor allem aber beginnen sie außerhalb dieser verschwommenen Ränder am Bildschirm.
Im echten Leben, da draußen.
Früher hatten wir Ferien, heute schmieden wir wieder Pläne.

Wadenkrampfartig

Wie das ist, immer auf der Hut zu sein.
In dem Glauben, eine prophylaktisch zugelegte Hornhaut unter adrett verzierten Stulpen könne helfen, den Ich-streife-nur-kurz-dein-Leben-um-dich-etwas-zu-lehren-Biss ins Bein besser zu verkraften.
Wie das ist, diese Last der Stulpen am Bein zu spüren, die vorangegangene Narben verdecken und die Schonhaltung im Gang kaschieren. Wenn demjenigen, der einem wichtig ist oder es werden könnte etwas dazu veranlasst oder veranlassen könnte sich plötzlich umzudrehen und wortlos wegzugehen.
[Ein Lied für die schönsten Konjunktive und Waswärewenns!]
Anstrengend.

Es ist anstrengend, bringt den Kopf zum Überlaufen und es nimmt so viel von der Zeit, die eigentlich nichts weiter als gelebt werden will.
Im Endeffekt vergisst man nie, wie das ist mit der Angst, wieder ins Bein gebissen zu werden.
Wadenkrampfartig.
Man versucht vielleicht sie abzuschütteln und so gerade wie möglich weiter zu gehen. Doch in Wirklichkeit funktioniert das so nicht und man macht sich zum Volltrottel wenn man versucht, dieses sabbernde, kläffende Ungetüm am Bein loszuwerden, indem man es einfach ignoriert oder noch mehr Stulpen zwischen sein Kiefer und das eigene Bein quetscht.
Eigentlich müsste man es in eine Seitentasche stopfen und leicht verwundert dreinschauen wenn Leute fragen, was da so trieft. Und die Schuld auf sich selbst nehmen, wenn es aus seiner Tasche heraus in Hände zwickt, die da hinein greifen. Einsehen, dass das mit der Routine und der prophylaktisch zugelegten Zweithaut noch nicht ganz so klappt, wie man das gerne hätte. Um dann zuhause dann mit den Türen zu knallen, damit dieses Ungetüm in der Tasche für ein paar Sekunden erschrickt und endlich die Klappe hält.

Wertes Leben, wenn es schon so ist, dass ich stets zu meiner vollen Größe wachsen darf, wie du immer sagst, dann darfst du mir nun auch mal etwas Verlässlichkeit und vor allem Beständigkeit zukommen lassen. Mein körpereigenes Wachstumsserum neigt sich dezent dem Ende zu, etwas Nachschub von außen wäre hilfreich.
Du darfst mich bitte auch jemandem begegnen lassen, der mich ansieht und sagt:
„Ich will dich. Genau so und keinen Deut anders. Und ich wünsche mir, dass du in meiner Anwesenheit immer die Freiheit verspürst, dich nach deinen eigenen Vorstellungen verändern zu können. Ohne der Angst im Nacken, ich wäre bei der kleinsten Abweichung vom Jetzt bereits wieder weg. Ich will, wenn du das auch möchtest, dich und deine Seele begleiten. Ganz egal wie du gerade bist und warum es dich an diesen Punkt gebracht hat. Ich will dich.“