Gefühlsvarianz

Fuschlsee, Hof bei Salzburg, Foto: Alexa Schober

„Es tut mir leid, dieses Gefühl ist bei uns nicht gemeldet.“
„Ja, das hat Ihre Kollegin auch schon gesagt, aber es verschwindet einfach nicht und ich dachte, ich frage mal nach ob Sie vielleicht wissen,..“
„Ich? Woher soll ich das denn wissen? Okay warten Sie, da gibt es vielleicht noch etwas, wo ich schauen könnte“
„Was wollen Sie scheuen?“
„Nicht scheuen, SCHAUEN! Warten Sie doch..“
„Worauf denn? Jeder hier sagt mir, dass ich bitte warten soll!“
„Wie wir das kategorisieren können. Sonst gibt’s keinen Antrag.“
„Antrag?“
„Na, auf Einbürgerung.“
„Wie bitte was?“
„Oder ist es nur auf Urlaub?“
„Ich bin mir da nicht ganz sicher. Momentan sieht es nicht so aus. Es hat schon seinen Rucksack ausgepackt, alles liegt verstreut bei mir herum.“
„Wunderbar, das hilft schon mal. Haben Sie noch weitere Hintergrundinformationen?“
„Nein, nicht wirklich..“
„Könnte es Wut sein?“
„Nein, dafür ist es zu still. Aber es versteckt seine Sachen und ich bin dann ständig mit Umschlichten beschäftigt.“
„Das sollten Sie lieber mal lassen. Am Ende gewöhnt es sich daran.. Glauben Sie, dass es sich um Angst handeln könnte?“
„Manchmal?“
Manchmal, manchmal. Ein Formular für ‚manchmal‘ haben wir nicht. Wenn das hier in eine dieser Schubladen passen soll, dann müssen Sie schon etwas konkreter werden.“
„Entschuldigung.. Ich denke, das bringt nichts. Wir gehen besser wieder..“
„Kommt gar nicht in Frage, jetzt hauen Sie nicht ab. Und das Gefühl bleibt hier auch noch schön sitzen. Wir haben uns ja noch gar nicht richtig angesehen.“
„Okay..“
„Es hat auch ein bisschen was von Traurigkeit, sehen Sie?“
„Mag sein, ja..“
„Jetzt schauen Sie doch endlich hin!!“
„ICH SCHAUE DOCH! Den ganzen Tag mache ich nichts anderes! Und wenn ich das mache, dann verlegt es noch mehr Dinge, die ich dann wieder suchen muss!!“
„Bitte werden Sie nicht laut hier.. Gut. Ich glaube, das ist Gefühl 62a.“
„Kann das was?“
Sagen wir mal so. Wenn das übermorgen auch noch da ist, müssen Sie nochmal kommen. Ansonsten erledigt sich das von selbst.“
„Aber wieso sollte es ausgerechnet jetzt verschw..“
„Ich würde mal sagen, ich schicke Sie jetzt zu meiner Kollegin. Gefühl 62a ist nun wirklich nicht meine Abteilung, dafür bin ich nicht zuständig. Alle Einzelheiten und möglichen Abweichungen machen Sie bitte mit ihr aus.“
„Aber die hat mich doch zu Ihnen geschickt?!“
„Der Nächste bitte!“

Gefühlsbürokratie.
Kann man, muss man aber nicht.

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Kontrafaktisch

 

Foto: Ariane Pellini, 2019 http://tonfrau.at/
Foto: Ariane Pellini, 2019
http://tonfrau.at/

Auch eines jener Dinge, die jedes Jahr dazu gehören. Jetzt wird wieder über das Wetter geschimpft, über die Kapriolen und warum das alles nicht etwas ausgeglichener sein könnte, scheinbar macht man das so. Wie das Schimpfen auf den öffentlichen Nahverkehr, das Schimpfen über Menschen, die zu langsam funktionieren und Autos, die zu schnell fahren. Also wird auch über das Wetter geschimpft, weil das Wetter es einem sowieso nicht recht machen kann.
In Wirklichkeit ist er ganz einfach so, der Frühling.
Neues kam noch nie ohne vorhergehendem Getöse in der Verabschiedung von Altem. Er war nie anders, dieser jährliche Frühling. Heuer schon im Februar, wie ein zwinkender Gruß nach 2 Monaten sintflutartiger Schneefälle. 2019 hüllte sich zu Beginn in einen riesigen, weißen Mantel erdrückender Stille, der nun mit viel Lärm aufbricht.

Frühling ist ganz einfach so, da kannst du dich auf den Kopf stellen, du wirst trotzdem nass, dir friert, überall kommt der Dreck zum Vorschein und zwischenzeitlich rinnt dir in der prallen Sonne der Schweiß den Rücken hinab. Frühling ist Übergang und darüber schimpft man eben, weil Übergang auch Unklarheit bedeutet und Überraschung und Unvorhergesehenes und Abschied und auch mal Ent-Täuschung, aber eben auch Anfang und Sortieren und Loslassen und Zurechtstutzen, danach Säen und Wässern und nicht mehr so viele Pullis übereinander tragen, jedenfalls nicht mehr jeden Tag..

Übergang ist auch immer herumwurschteln, aus den Wolken fallen und sich gewöhnen. An neue Menschen, neue Verpflichtungen, an Uhrzeiten, Jahreszahlen und Altersangaben.
Dem Frühling ist das alles herzlich egal, er kommt jedes Jahr wieder und wir täten gut daran uns vor Augen zu halten, dass wir nicht unendlich viele von ihnen erleben. Zumindest nicht in diesem Körper.
Wir werden das Wie nicht ändern können, auch nicht mit Tiraden, aber wir haben unsere Reaktion darauf selbst in der Hand.
Wir glauben so oft zu wissen, wie etwas zu sein hat.
Und vergessen dabei zu sehen, wie es ganz einfach ist.

PoNR

Schober im Herbst, Salzburg. Foto: Alexa Schober

Als ob sie einfach verschwinden würden, wenn man mal alles um- ver- und wegstellt. Abtaucht. Oder eintaucht, einfach so, immer wieder in etwas Neues.
„Seh ich euch nicht, findet ihr mich auch nicht“.
Die Angst ist nicht weg, auch nicht das Unbehagen und was dann plötzlich dazu kommt fühlt sich ebenfalls seltsam an, weil mit dem offenen Raum die Möglichkeit auf Richtungen kommt, mit dem sicheren Boden kommt die Frage, was man damit an- und am Ende auch draufstellt, mit den schützenden Wänden kommt die bezaubernde Magie eines Aufbruchs zurück.

Die Angst ist noch da, auch das Unbehagen und was sich dazu gesellt schwebt wie der Nebel im November, der nur eine Ahnung vom blauen Himmel und der Sonne dahinter frei gibt, es knistert wie hauchdünnes Eis, das es bald wieder geben wird, weil du weißt, jetzt ist die Zeit, von der du nicht wusstest, ob du sie jemals erreichen würdest, jetzt ist das Alter, in dem früher nur die anderen waren und da sind all die Umstände, die nun wahrscheinlich nicht mehr eintreten werden.

Die Angst vor der Gewissheit ist da aber ist es auch wirklich eine Art Unbehagen? Zu wissen, dass man all dies selbst entschieden hat, vielleicht vor sich her geschoben, bis zu diesem Tag, dem point of no return.
„Jetzt hast du all das und jetzt mach was damit, zum Geier, fahr es nicht gegen die Wand.“
Man könnte es vielleicht Respekt nennen, eine Art Drüberdenken über alte, langgediente Muster, ein bewusstes Umentscheiden in der Bewertung von Situationen.

Wenn du willst, ist auch sie weg, die Angst. In der steckst du immer mit drin, vielleicht ohne Wand im Rücken, aber immer mit einem Boden, der dich trägt.
Es wird nichts passieren weil schon so viel passiert ist, das Schlimmste war schon und auch das war immer nur eine Bewertung entfernt von einem simplen So-Sein.

Die Angst ist also weg und auch das Unbehagen, du schüttelst ab, was sich über Jahre in dich hinein gefressen hat, da ist plötzlich so viel Raum und die Kunst dabei ist dennoch, nicht übereilt aufzubrechen. Unterscheiden lernen und dabei keine Angst vor der Antwort zu haben, keine Angst, die ist fort. Dir kann nichts mehr passieren, weil schon so viel passiert ist.
„Whatever may come – with arms wide open..“
Es ist wirklich okay.
So wie es ist.

Konjunktivitis

Herbstlaub am Gaisberg, Salzburg, Foto: Alexa Schober

Dieses ständige Festklammern am Konjunktiv.
Hätte, könnte, sollte, wollte.
Morgen vielleicht,
gestern warum.
Aber..
Eigentlich übermorgen.
Die Tür stets einen Spalt offen für die Flucht zurück in die Comfort Zone.

Wenn Veränderung wieder einmal in Wellen geschieht, das Leben schneller passiert als Bedenken geäußert oder der Atem angehalten werden kann. Was machst du dann? Beißt es sich fest oder wagst du es, dich gehen zu lassen?
Weil man Dinge auch mal machen muss, ohne zu wissen wofür und warum. Beim Spiel in der Kindheit konnten wir das noch ganz gut, im Laufe der Jahre wurde es uns heimlich abtrainiert.
Und heute fragen wir uns nur noch in den seltensten Momenten, wo all die Magie hinverschwunden ist. Verkriechen uns in der Homebase und holen sie uns on demand mit Druck auf den Netflix-Button kurzzeitig zurück. Die Euphorie über strahlende Marvel-Superhelden-Magie und große Momente der Gefühle.
Jaja, nach einem 10h-Arbeitstag werden optionale Wirklichkeiten immer öfter über die Ferne konsumiert, da kann nicht viel schief gehen, Bildschirmpixel sind angenehm kontrollierbar, auch wenn sie zuweilen flackern. „Bitte achten Sie auf eine mögliche Entzündung Ihrer Bindehaut als Folgeerscheinung.“
Ach, Nebenwirkungen gibt es doch immer.
Also. Nähe geschieht in der Ferne.
Wirklich?
Warum aber klappt das Ding mit der Gänsehaut aller emotionslosen Blockaden zum Trotz dann dennoch?
Weil sich manche Dinge an uns doch nicht ganz abtrainieren lassen.
Nie abtrainieren lassen werden.

Vielleicht entscheidet sich das Herz zum kalten Entzug. Von all dem und noch so vielem mehr. Bis der Kopf unglaublich laut wird. Braucht er nicht unbedingt, will er noch weniger und der Bauch rebelliert mit geballter Faust nach oben.
Die Konsequenz?
Herz zu. Netflix und Handy an.
Easy Homeb(l)ase.

But, Honestly?

Sag, wie lange lässt es sich in einer Blase leben? Platzen sie nicht alle irgendwann? Die Dotcom- oder die Immobilienblase und manchmal auch die Seifenblase durch die rosarote Brille.
Muss doch nicht sein.
Könnte einmal nicht so sein.
Muss nicht immer so gewesen sein haben..

Wenn man Gefahr läuft an der rostigen Mistgabel des Konjunktivs stecken zu bleiben, ist es Zeit für Futur II. Die Feststellung, dass eine Handlung zu einem bestimmten Zeitpunkt abgeschlossen sein wird.
Ohne Wenn und Aber, hätte, könnte, sollte.
Sondern Punktum.

Denn..
Mit diesem einen Gefühl im Bauch,
jenem Bild dort im Kopf
und einer bestimmten Stimme im Ohr
wird es einmal angefangen haben.
[On your very own demand.
And no one else’s.]

Times Like These.

Lilablassblau

Foto: Alexa Schober, Salzburg, herzenswert@gmail.com

Verhedderungen an sich sind unumgänglich. Ich kenne niemanden, der es schafft, sein Leben so zu führen, dass alles unwiederbringlich Sinn ergibt, dass keine Zweifel bestehen und sich zwischenzeitlich lilablassblaue Blässuren zeigen.
Ich kenne aber Menschen, die versuchen augenblicklich alles in eine perfekte Ordnung zu quetschen, die bügeln, legen, ordnen und archivieren, die nichts wegwerfen und recherchieren, bevor sie etwas Neues in ihr Leben lassen, die wissen auch immer genau, wo was liegt und was in welcher Schublade vorhanden ist, manchmal vermute ich, diese Menschen kennen die genaue Anzahl der Haare auf ihrem Kopf am Morgen und legen jene, die sie über Nacht verloren haben, in Reih und Glied auf den Nachttisch, um sie später der korrekten Mülltrennung zu übergeben.

Die Verhedderung erzieht mich zum Teil. Heute weit mehr als noch vor Jahren, weil sie bewusster geschieht. Sie zwingt mich, auszuatmen, langsam zu machen, mich darauf zu besinnen, was ich eigentlich will und ob das hier noch immer der richtige Weg ist. Manchmal ist sie nicht besonders sanft, die Verhedderung, was wohl auch auch mit meiner leicht entflammbaren Euphorie oder den zu großen Schritten zu tun haben kann. Dann hilft es, wenn ich mir Eis auf die Knie lege und einfach irgendwo beginne. Die Kunst besteht ja in dem Willen, sich ihr entziehen zu wollen, so geschieht zumindest meine Veränderung.

Es scheint da einen Rhythmus zu geben, zu dem sich mein Leben verändern möchte, ich erkenne da eine Periodizität, deren Verständnis sich dann auch sofort einem möglichen, dokumentierbaren Schema entziehen möchte. Und ich muss lachen, weil sich damit mein hartnäckiger Widerstand gegen Kategorisierungen und Schablonen bemerkbar macht. Vorhersehbarkeit und eindeutige Zuordnungen standen mir noch nie ins Gesicht geschrieben, ich war noch nie und werde nie sein wie X, Y, oder Z, woraus sich schlussfolgern ließe, es käme zu Ereignis A, B oder C.

Dennoch nehme ich diesen regelmäßigen Drang zur Veränderung in mir wahr. Als würde mein Lieblingspullover mit jedem Waschgang einlaufen irgendwann zieht es an allen Seiten. Meistens kommt es ganz langsam, der Druck nimmt nach und nach zu und fällt dann irgendwann in einem Faden aus meiner Hosentasche, weil der Platz nicht mehr ausreicht.
Ich merke das, wenn ich nachts aufwache und ich vor lauter zeitgleicher Gedanken im Kopf den Stift und das Notizbuch nicht sofort finde, um all das festzuhalten, was in mir nach außen drängt.
Etwas wird sich ändern, der Blick auf das Ganze, die Sprache an sich, der Grund für das Warum. Vielleicht hat es sich auch schon verändert und dieser Kopf da oben braucht noch etwas länger, um all das zu verdauen.

Jedenfalls denke ich mir, okay, count me in, dagegenhalten bringt erfahrungsbedingt nicht viel, also werde ich einsteigen und einfach mal die Fahrt genießen.
So lange sie dauern mag.

Stimulus

Junge in Palenque, Mexico, Foto: Alexa Schober, Salzburg

Was ist es, das wir Menschen zu perfektionieren versuchen, solange wir in Strukturen leben und arbeiten, Strukturen, die uns in Bewegung halten, bei Laune, in einem ständigen Zustand der Aufmerksamkeit. Nur nicht das Denken einstellen, es könnte sonst etwas verloren gehen oder nicht wie gewünscht eintreten. Gestern, vor einem Jahr, einem Jahrzehnt, morgen, in einer Woche, nächstes Jahr – immer auf der Suche nach Formen des Vergnügens, deren Wirkung in einer äußerlichen Ursache liegen und somit per se Konflikte erzeugen.

Wir starren auf die Vergangenheit und bemerken nicht mehr, wenn unsere Pupillen zittern. In den seltensten Fällen bekommen wir es hin, diesen Fokus aufzugeben und nichts weiter als die Gegebenheiten des jetzigen Moments wahrzunehmen, ständig scannen wir auf Unebenheiten der Vergangenheit, Makel oder etwas Besonderes das heraussticht und dann bitte in der Zukunft so eintreten möge.

Sind es Schablonen einer innerlich ausgehungerten Gesellschaft die uns sagen, man könne die Leere und die Unzufriedenheit in sich ganz einfach mit noch mehr Besitz, mit einem noch höheren Grad an Perfektion und Anders- oder Bessersein auffüllen?

Ich suche oft, selbst es nur Erinnerungen sind, irgend etwas, das ich mir merken kann. Das will ich dann festhalten, aufschreiben und gleichzeitig ist es ein Raus-Schreiben und Ablegen. Gedanken fürs Archiv. Manchmal ist es schwierig, los- und sich fallen zu lassen, es ist verdammt noch mal schwierig, den Knoten zu lösen und nicht sofort aufzuschreiben wie es ging, damit ich es bei Bedarf nochmal tun kann, um sicher zu sein oder um nicht sofort einen neuen zu machen.

Es ist so unglaublich schwer, die Hände still zu halten und nur zu atmen, schauen, schlucken und zu spüren, was mich streift. Wie Luft, Nieselregen, Nebel, feiner Staub, ein Geruch oder ein Wort. Ich bin so oft damit beschäftigt Gefühle im Inneren und Gegebenheiten im Äußeren zu verarbeiten, mir einen Reim auf etwas zu machen, zu hinterfragen, zu bewerten, einzuordnen, zu sortieren, dein Wunsch, meine Sehnsucht, Freude aus der einen Richtung, hier noch etwas Ärger und Frust aus der anderen, meines, deines, unseres, dahin, dorthin, achso, achja.

Im Endeffekt geht es im Leben doch nur darum, sich selbst zu zeigen, sich preis zu geben, verletzlich zu sein auch auf die Gefahr hinauf, dass das missbraucht wird. Sich fallen zu lassen in dem Vertrauen, aufgefangen zu werden. Geborgenheit geben, sie selbst SEIN und sie dann auch finden. Eine Wirkung, deren Ursache aus sich selbst heraus entsteht. Um dann staunend festzustellen, wie auf Knopfdruck eines Regisseurs plötzlich wunderbare Menschen auf dieser Theaterbühne des eigenen Lebens auftauchen.
Denn nur um sie geht es, davon bin ich mittlerweile fest überzeugt. Um die Menschen, denen man begegnet. Um die Erfahrungen, die man mit ihnen macht.
Jede einzelne davon nährt die Seele auf eine gewisse Weise und ist wertvoll für den weiteren Weg. Vor allem mit dem Hintergrund, dass ich zwischen Reiz und Reaktion noch immer die Freiheit besitze, zu wählen.
Meine Reaktion, sie wird immer mir gehören.

Konservierungsfrei

 

Foto: Alexa Schober

Wenn da jemand ist, in dessen Schuhen du rumlaufen kannst, obwohl du nie musst, es manchmal tust, nur weil es klappt, auch wenn sie vielleicht einen Tick zu breit sind.
Wenn da jemand ist, dessen Passform der deinen ähnelt, nicht gleicht, aus bestimmten Perspektiven sogar völlig unverhältnismäßig wirkt und sie dennoch im Grundtakt mithalten kann.
Wenn da jemand ist, dessen Hemd du dir überwirfst, wie eine Decke, weil sich deine Haut gut mit dem Stoff versteht.
Wenn da jemand ist, dessen Stimme durch Mauern bricht und am Ende der Straße auf dich wartet, und jedes Wort, das mit ihr gesagt wird bereit ist, von dir eingesammelt und mitgenommen zu werden.

Wenn da wirklich jemand ist, dessen Hand du schon aus der Ferne erkennst und dann, wenn du sie spürst, du jede Linie darauf nachziehen kannst, sie blind erkennst, und du dabei auch noch lächeln musst,
wenn das so ist,
dann..
Lass den Stift weg um vielleicht eine Karte davon zu zeichnen, die sind so statisch, so endgültig und irgendwann gibt es dazu vielleicht kein Update mehr, hänge das Hemd oft raus an die Sonne, locker die Fasern und lüfte die Schuhe, ändere auch mal den Grundtakt, die Passform, weil das so ist im Leben, das passiert ganz einfach, nur sieh dich immer wieder um, halte inne und frag nach,
wenn da jemand ist, der dir am Herzen liegt.

Wenn es da wirklich jemanden gibt, mit einem Sekundengefühl, das die Bedeutung von Zeit ad absurdum führt,
dann..
Heb die Worte an, heb sie achtsam auf und leg dich hinein, in diese Stimme.
Lass sie klingen, in dir wirken, ganz ohne Konservierungsstoffe, dein Herz versteht die Schwingung.
Und dann..
Lass sie jederzeit leiser werden, lass sie los und leise gehen, diese Stimme,
um auch all die anderen Worte zu hören, die sie dir vielleicht sagen möchte und von denen du jetzt noch nichts weißt.

Wen da so jemand ist,
nimm ihn wahr
und hör ihm zu,
halte inne
und sieh dich um.

Hör einfach hin,
hör doppelt hin.