LetMeLikeYouAlot

Foto: Alexa Schober, Salzburg.
Seit einiger Zeit nutze ich wieder vermehrt die sogenannten „sozialen Medien“ und ich komme nicht um die Tatsache, dass sich meine Sicht darauf und die Einstellung dazu kaum verändert haben in den vergangenen Jahren.
Ja, die zugehörigen Technologien verändern sich ständig, alles wird noch kleiner, noch effizienter oder „smarter“, wir tragen alle kleine Mini-Universen in unseren Handtaschen oder am Armgelenk und dadurch scheinbar immer weniger Vernetzungen im Gehirn, sind jederzeit und überall erreichbar, immer am neuesten Stand der ach so wichtigen Neuigkeiten, die von anderer Stelle aufdiktiert werden, aber immer weniger Menschen heben auch mal den Kopf, um das wirklich zu sehen, was sie gerade vor der Nase haben.
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Soziale Medien haben das Potenzial, uns unendlich viele Möglichkeiten der Kontaktaufnahme mit anderen Menschen vorzustellen. Sie zeigen, was da draußen noch so alles ist, egal ob fake oder echt. Sie bilden ab. Sie bedienen sich unserer Aufmerksamkeit. Sie wollen unsere Klicks, Likes, Dislikes. Sie wollen vernetzen, sie kombinieren Daten und vor allem: Sie machen einige wenige Firmen mit all dem reich. Doch in all der Zeit, in der wir wischend, likend und abgehakt schreibend mit der digitalen Welt verbunden sind, verpassen wir das echte Leben rundherum. Wir starren in kleine Fünfeinhalbzöller und sind vor Ort und vor uns  selbst so abwesend, wie man es nur sein kann. So unkreativ, weil da einfach kein Platz ist im Kopf für eigene Ideen, wenn dieser unentwegt mit den bunten, blinkenden Bildern der digitalen Welt passiv gefüttert wird.
Nichts daran ist meiner Meinung nach sozial oder auch nur ansatzweise hilfreich im Entstehen echter zwischenmenschlicher Interaktion.
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Diese Gesellschaft heute ist fahrig geworden, sie wirkt so unruhig und abwesend auf mich. Gesenkte Blicke, wohin ich auch sehe. Dieses sehnsüchtige Starren aufs Handy alle 2 Minuten – es könnte schon wieder irgend eine neue Benachrichtigung eingetroffen sein. Wartende, Reisende sowie auch nur geradeaus Gehende – es scheint, als würde die ganze Menschheit nur mehr abtauchen wollen in diese Welt der Dauerberieselung.
Dann diese Tendenz, in Online-Kommentaren so richtig die Sau raus zu lassen, es wird geschimpft, beschuldigt, angeklagt, gemobbt, gedissed usw. Ist ja auch viel einfacher, das am Bildschirm zu tun, da fällt eine gewaltige Hemmschwelle weg. Jemandem in die Augen zu sehen und ihm oder ihr DIREKT die Meinung zu sagen ist wirklich nur etwas für die ganz Mutigen.. Oder für die bewusst Anwesenden.
All diese Bilder mit der Aufschrift „Teile das, wenn du auch der Meinung bist, dass xyz NICHT sein soll..“ – Viel BlaBla das NICHTS Positives bewirkt, rein gar nichts, außer den Umstand vielleicht, dass sich genau dieses unerwünschte Etwas noch häufiger zeigt, eben weil es geteilt wird und weil alles, aber auch wirklich ALLES seinen Ursprung in einem Gedanken findet.
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Ich fühle mich abgestoßen von all diesen Bildern und Posts, die etwas verbreiten, das der Verfasser NICHT möchte, hasst oder schlecht findet. Wie wäre es mal damit, darüber zu schreiben oder Bilder davon zu verbreiten, was man wirklich möchte? Die Aussage und den eigentlichen Wunsch dahinter in einem positiven Ton rauszudrücken? Könnte es ein, dass die meisten Leute gar nicht wissen, was sie möchten, was sie lieben, wie sie etwas lieben oder etwas angehen würden bzw. besser machen würden – aber ganz groß sind im Verbreiten dessen, was ihnen missfällt?
Das Leben hat mich schon oft genug gelehrt, dass die verbissene Fokussierung auf das, was ich nicht möchte, genau diesen Umstand hervorhebt, wenn nicht verstärkt. Die Realität in seiner Manifestation folgt der Aufmerksamkeit.
Also – warum immer diese Kleinkriege führen gegen all das, was nicht sein soll statt es einfach mal anders herum zu versuchen und die Stimme erheben dafür, wie man es stattdessen anpacken könnte?
Es ist halt verdammt schwierig, auch mal kreativ zu werden und in sich reinzuspüren, wenn man den ganzen Tag nur wischend und abgehakt tippend am Bildschirm verbringt. Da kann nichts aufkommen, das dem eigenen innersten Wesen entspringt. Und so ist es meist einfacher, die Posts anderer Leute zu „teilen“, selbst noch einen Kommentar a là „solche Leute gehören weggesperrt – so nicht!“ drüber zu pupsen und dann fühlt es sich auch schon gut an. Dann ist man stolz darauf, seinen Senf zur Sache abgegeben zu haben.
Brave New Social World.
Nein danke.
Ich bin dankbar zu wissen, was ich will.
Und ich bin ebenso dankbar für den Umstand, dass ich beides kombinieren kann. Den Umgang mit den neuen Technologien im Einklang mit meinem Selbst als sehr fein fühlendem Menschen.
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Ich brauche kein Leben nach dem Internet, ich mag es phasenweise sehr gern. Was ich aber will, ist mehr Ausgleich. Zeiten, in denen ich nur in einer Welt lebe. Das habe ich dankenswerter Weise auch selbst in der Hand. Schön wäre es noch, mehr Gleichgesinnten zu begegnen, um dieses Erlebnis der wirklich gelebten Zeit auch zu teilen.
Ich möchte außerdem mehr handyfreie Zonen, Ruhe in der Bahn, ich möchte in den Sternenhimmel schauen können und diese Bilder in mir drin festhalten, weil kein Prozessor der Welt und keine noch so große Festplatte diesem Wunderwerk Gehirn das Wasser reichen kann.
Und ich wünsche mir Respekt vor meiner Intim- und Privatsphäre, ich will Momente, die nicht digitalisiert werden, und Zeiten, in denen auch mal nichts passiert.
Ich will Stunden zusammen, in denen ich mich im Moment der Gemeinschaft eingebettet weiß, die Augen anderer sehen und verstehen und ich möchte gesehen und dadurch auch wirklich verstanden werden.
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Ich will darüber reden, was das ständige Onlinesein mit unseren Gehirnen macht, ich wünsche mir mehr Achtsamkeit im Heranführen der nächsten Generation an dieses omnipräsente und doch so sensible Thema. Natürlich haben wir es alle selbst in der Hand, wie wir damit umgehen. Und dennoch bin ich dafür, mehr Sensibilität und Fokus auf das Thema zu legen, um aufzuzeigen, wie ein Nutzen dieser Technologien mit kritischem Verstand und Hinterfragen des eigenen Verhaltens positiv gelingen kann. Statt zu einer Gesellschaft zu mutieren, die zombieähnlich von den Medien und ihren gewinnmaximierenden Absichten ferngesteuert wird.
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Mal ehrlich.. Einen Monat lang Black FriDAY?
Weihnachtsaktionen, die schon im Oktober starten? Versteht denn niemand mehr, dass es nur mehr um’s Noch-Mehr-Kaufen und Immer-Mehr-Haben-Müssen geht, damit die Wirtschaft brummt? Und den ganzen Tag lang plärren uns diese Bildschirme an mit Informationen darüber, was wir nicht noch alles brauchen, um endlich glücklich zu werden.
Irgendwann geht dieser medial gehypte Black Friday dann nahtlos in Weihnachten über, das dann bestmöglich ausgedehnt wird bis Ostern (die neuesten iPhones winken, obacht!!) und dann steuern wir ohne Pause auf den Pre-Summer-Sale zu, damit wir bitte auch wirklich nichts verpassen.
Ernsthaft?
Fühlt sich hier niemand verarscht?
Könnten wir alle bitte endlich die steckdosenunabhängige Hirnbirn aka Stirnlampe einschalten und WIRKLICH nachdenken statt nur zu reagieren?
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Unsere Abhängigkeit vom Internet, vom Smartphone, den Medien, von Social Media und der dauerblinkenden Werbung macht viele von uns krank, fahrig und emotional kaputt, das geht uns alle etwas an. Und ich möchte, dass das alles hinterfragt und auch diskutiert wird.
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Wie wollen wir leben?
Was wollen wir TEILEN?
Müssen wir all das auch noch haben?
Fühlst du noch oder scrollst du schon wieder?
Gibt es noch strahlungsfreien Raum oder sogar ein Recht darauf?
Darfst du mich jederzeit fotografieren?
Muss ich immer online sein, um einen Job zu halten?
Willst du WIRKLICH mit mir reden?
Dann um Himmels Willen ruf einfach an oder triff mich und SPRICH!
Denn zum Verstandenwerden gehört weit mehr, als ein paar dämliche Emojis mit Ausrufezeichen.
Und das spürst auch du..
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8 Gedanken zu “LetMeLikeYouAlot

  1. das internet hat und hatte so viele gute seiten, aber damit kommen auch immer die schlechten. während es früher dieser raum der anonymität war, den menschen nutzen konnten, ist die anonymität heute genau ins gegenteil umgeschlagen, weil die breite masse „hier“ ist, online ist, content produziert und ihren stammtisch einfach für alle sichtbar gemacht haben. mich beschäftigt das auch alles immer wieder sehr, aber da abstinenz für mich immer nur phasenweise klappt, versuche ich, MIT all diesen dingen einfach freundlich-friedlichen weg zu finden und es auf eine art zu nutzen, die mir mehr gut als schlecht tut. leuten zu folgen, dinge anzuschauen, die mir gute gefühle machen und ich habe gleichzeitig auch so viele wunderbare begegnungen erlebt, die ohne das internet nie passiert wären. menschen haben halt leider die angewohnheit, aus einer sache prinzipiell immer das schlechteste zu machen, besser machen kann man es nur für sich selbst :/

    Gefällt 2 Personen

      1. Ja, das wünsche ich mir auch oft. Bessere Trennung zwischen on- und offline. Aber ich denke Menschen müssen immer erst lernen mit Technologie umzugehen und ich hoffe dass sich auch dafür mit der Zeit zumindest für den Großteil ein sinnvoller Weg finden wird…

        Liken

  2. Ich kann deine Gedanken absolut teilen und ehrlich gesagt kenne ich überhaupt gar keine Lösung für den Umgang mit dem Internet und den Social-Media Plattformen. Ich finde es aber auch nicht gut so etwas anzuordnen (bsp. einen „Handy-freien-Raum“ oder sowas in der Art). Alles was sanktioniert wird bekommt noch mehr seinen Reiz.
    Ich glaube das kann wirklich nur jeder für sich selbst entscheiden, wie er das Internet nutzen möchte. Die junge Generation macht sich überhaupt gar keinen Kopf darüber,, alles ist so selbstverständlich. Ich kann das weder gut noch schlecht heißen. Ich kann nur deine kritischen und guten Gedanken mit anderen teilen und jeder entscheidet für sich selbst, was er daraus macht. LG Tete

    Gefällt 1 Person

    1. Ja, ich kann gut nachvollziehen, was du meinst.. Von Anordnungen halte ich auch nicht viel. Datür umso mehr von reflektiertem Handeln und kritischem Hinterfragen. Den Hausverstand einschalten und auch mal aufs Bauchgefühl hören 😅
      Danke fürs Teilen deiner Gedanken hier auf meiner Seite und liebe Grüße!

      Gefällt 1 Person

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