Berührend Reich

Barcelona 2007, Foto: Alexa Schober.
Wie lange sind die Intervalle zwischen deinen Blicken aufs Handy?
Wessen Telefonnummer kennst du noch auswendig?
Ist es ein Bildschirm, dem du frühmorgens deinen allerersten Blick schenkst?
Wie viel Kommunikation jenseits von WhatsApp, E-Mail, Facebook, Instagram usw. hast du noch?
ECHTE, berührende Kommunikation?
Ich denke, manchmal sollte man innehalten und all das hinterfragen.
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Wie ist es bestellt um den eigenen Fokus, die Aufmerksamkeitsspanne, die nicht diktiert wird, sondern selbstbestimmt ist?
Muss ich all das, was mir diese sogenannten Informationstechnologien und ihre „sozialen“ Medien (meist aufpoliert, gefiltert und absichtsorientiert) präsentieren, denn auch wissen?
Inwiefern bereichern diese Informationen mein Leben? All diese Bilder und knappen Chat-Sätze anderer. Mittlerweile scheint fast alles bewegt-animiert zu sein, um das Gehirn noch intensiver mit Reizen zu füttern. Um es am eigenständigen Denken und Fühlen zu hindern?
„Informationsbeschaffung“ mittels Informationstechnologien.
Und weiter?
WAS genau macht man mit all diesen Informationen? Machen sie mich schlauer? Muss ich das sein?? WILL ich das sein? Informierter? Glücklich? Neidisch? Traurig?
Weil zeigefingerwischend und mit gesenktem Kopf vor einem Bildschirm sitzend nebst hunderter Facebook- und WhatsApp-Kontakte dennoch ein Gefühl der Leere entsteht?
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Hast du noch ein Foto von einem Menschen, das vielleicht in einer Schreibtischlade liegt? Nur dort, weil es eben dort sein soll, und in keinem digitalen Zurschaugestellt-Album? Weil es um keinen Deut weniger wertvoll ist, wenn es nicht alle Kontakte irgend eines Netzwerks kennen.
Und wann hast du das letzte Mal einen Brief erhalten? Vielleicht sogar handgeschrieben? Kennst du deine eigene Handschrift noch?
Kannst du ein Konzert besuchen und statt des Handys all deine Sinne hoch halten? Die Bilder und Töne in dir selbst festmachen?
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Ich bin fürs Ausschalten und Abkoppeln. Hin und wieder. Ganz bewusst.
Seiner eigenen Echtheit und Körperlichkeit willen. Und für all jene, denen man währenddessen begegnet.
Auf Augenhöhe, zum Anfassen nahe. Wieder einmal aus diesem wunderbaren Gesamtkunstwerk der Mimik, Gestik und dem Timbre der Stimme eines Gegenübers lesen und darin so viel mehr erfahren, als Worte oder Bilder es jemals ausdrücken können.
Ganz zu schweigen von verkürzten Sätzen und Smileys in abgehakten Kurznachrichten.
Ich bin auch für die Freiheit, einfach auszuschalten, wegzulassen, Pause zu machen, zur Ruhe zu kommen. Sich von Technologie loslösen, um sie danach wieder bewusst zu nutzen und zu schätzen.
Das reflektierende Moment, dass man etwas, das immer da ist, nicht einfach ungefragt hinnimmt, sondern es bewusst tut. Und es nicht wie selbstverständlich in jeden Bereich des Lebens eindringen lässt.
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Es tut gut, nicht immer alles sofort zu wissen. Manche Dinge nicht nachzuschlagen, weil es eigentlich egal ist. Weil dieser kurze Blick auf den Bildschirm nichts verändert. Eine Gewohnheit neu schreiben, weil ich es kann und weil ich Perspektiven manchmal verändern muss, damit sie nicht einfrieren. Weil es für mich dazu gehört, Sachen nicht nur auf eine einzige Art und Weise zu tun, um so das Rundherum kennen zu lernen und die darin enthaltenen Möglichkeiten.
Das Internet abstellen, um auch das getan zu haben.
Den Wert der Haptik nicht vergessen!
Etwas und jemanden BERÜHREN.
So ganz in echt.
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3 Gedanken zu “Berührend Reich

  1. Genau darüber habe ich mir die letzten Tagen Gedanken gemacht. Ich bin zur Zeit extrem reizüberflutet, bedingt durch meine Arbeit, ich arbeite für ein Medienunternehmen, meine kleine Tochter ist im homeschooling und meine große Tochter studiert sozusagen digital. Wir sitzen alle drei tagsüber vor unseren Bildschirmen und Handys. Meine Nerven spielen so langsam verrückt aber was sollen wir tun? Es bleibt uns nichts anderes übrig (auf jeden Fall mal zur Zeit). Ansonsten kam ich immer sehr gut klar, mit dem Online und Offline sein. Gerade jetzt verschwimmt alles und ich fühle mich ohnmächtig.
    Liebe Grüße Tete

    Gefällt 1 Person

    1. Ich kann gut mit dir mitfühlen, auch wenn ich keine zu betreuende Kinder habe..
      Gegen diese mediale Reizüberflutung und wenn es darum geht, sich selbst wieder besser wahrzunehmen, kann ich nur empfehlen: Geht so viel und so oft wie möglich raus in die Natur, bewegt euch und lasst die ganze Elektronik zumindest lautlos in euren Rucksäcken!
      Die Bewegung in der Natur entschleunigt das Denken, mach es kohärenter und man spürt den eigenen Körper wieder auf eine gesunde, natürliche Weise..
      Fühl dich umarmt, liebe Tete!

      Gefällt 1 Person

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