Bescheuert

Paulo Coelho Zitate, Alexa Schober
.
Neulich sagtest du zu mir, dass das permanente Rauschen im Ohr womöglich dafür gut sei, die Gedanken nicht mehr so laut zu hören. Die Stimmigkeit dahinter zeigt sich mir in dem Impuls, es am liebsten 10x hintereinander mit Ausrufezeichen aufzuschreiben, um es noch wahrer zu machen.
Das Gehen macht das auch. Mehr noch das Bergaufsteigen. Weil man aufpassen muss, wo man hintritt. Unachtsamkeit beim Alltagsgehen ist meist nicht mit konkret erlebbarer Gefahr verbunden. Der Abgrund offenbart sich selten so direkt wie in der Höhe, da sind laute Gedanken nur kontraproduktiv.
.
Etwas länger ist’s her, da sagtest du auch, du willst mal alles gefühlt haben, was geht. Und im ersten Moment dachte ich, du bist doch bescheuert, das geht doch nicht, und selbst wenn es ginge, wie anstrengend muss das bloß sein, wer will das schon? (Erstaunlich, wie viele Gedanken in einen einzigen Moment passen …)
Und im Moment nach dem ersten Moment konnte ich fühlen, wieso und weshalb und dass nur DAS wirklich das Ziel sein kann, sich als Mensch im jeweiligen Moment vollständig zu fühlen, zu wissen, wo oben und unten ist, also ganz genau, in jedem erdenklichen Zustand.
.
Da ist zum Beispiel dieses Gefühl, dass man plötzlich nicht mehr weiß, wo man anfängt und wo man aufhört. Nur der Körper, dieses Fleischklöpschen, nicht das das Sein an sich oder der Kopf und seine lauten Gedanken. Man fühlt es, wenn sich die Fasern aufzulösen beginnen.
Und ich erinnere mich daran, wie wichtig es in solchen Momenten ist, dass da jemand ist, dem du vertraust, der dich festhält und dir mit dem Finger deine Grenzen nachzeichnet, einen kleinen Druck von außen ausübt, damit du wieder weißt, wo genau im Körper du zuhause bist.
Durch dich habe ich erfahren, wie heilsam das ist, den eigenen Körper vorgefühlt zu bekommen in Momenten, in denen sich seine Teile wie wütend zerrissenes Papier im Wind verteilen.
.
Du willst also alles gefühlt haben, was man fühlen kann, bist du denn bescheuert, und was, wenn ALLES möglich ist?
Was, wenn alles, was du gefühlt haben wirst bis zum Schluss, wenn all das komplett und ganz ist weil es ganz einfach nicht mehr zu fühlen gibt? WER gibt vor, wie viel es ist oder zu sein hat?
.
Ja. Am Ende ist dein Umherwandern auch der Versuch, deine Sammlung zu komplettieren und ich muss lachen dabei, weil es so sehr passt, zu dir, zu uns und zu diesem Weg, den wir gehen.
Du WIRST alles gefühlt haben, was DU fühlen kannst, es kann nicht anders sein und du wirst dich erinnern, vielleicht auch im Schlaf, an dich und den Weg, an uns und den Flug, an all deine Lieben rundherum und auch daran, was noch kommen wird. Es gibt ein Erinnern an das, was noch sein wird, ich weiß es genau!
Du wirst alles gefühlt haben, das verspreche ich dir.
Wie sehr ich dich liebe, du bist doch bescheuert.
.
.
.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s